Wirtschaftsverband der rheinisch-westfälischen papiererzeugenden Industrie

Papiergeschichte

Im Jahre 105 n. Chr. hat der chinesische Minister und Eunuch Tsái Lun erstmalig Papier verwendet. Es ist erwiesen, dass das Papier seinen Ursprung in China hat. Unbekannt ist, ob Tsái Lun selbst die Erfindung hervorgebracht oder lediglich bekannte Techniken verbessert hat.

Schon ab 650 wurde unter Kaiser Kao Tsung in China mit Papiergeld bezahlt. Der Siegeszug des Papiers in der ganzen Welt war bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzuhalten. Dennoch hat die Verbreitung in Europa noch einige Jahre auf sich warten lassen: 1144 wurde mit Hilfe der ersten europäischen Papiermühle in Xativa bei Valencia in Spanien Papier hergestellt. Die erste deutsche Papiermühle wurde 1390 von Ulman Stromer unter dem Namen "Gleismühl" vor den Toren Nürnbergs erbaut.

Bereits in dieser frühen Phase der Geschichte des Papiers in Europa war die Branche durch Innovationen geprägt: In Fabriano in Italien wurde das älteste Wasserzeichen schon im Jahr 1282 entwickelt und um 1445 erfand Gutenberg in Mainz die Buchdruckkunst, die bis heute die kulturelle und politische Landschaft der ganzen Welt nachhaltig geprägt hat.

Neben diesen ersten Schritten hat die Papierbranche bereits vor der eigentlichen industriellen Revolution im 19. Jahrhundert "Industriegeschichte" geschrieben: 1711 wurde der erste "Holländer" in Betrieb genommen. Dabei handelte es sich um eine Maschine mit dem Verfahren des Walzprinzips zur Faseraufbereitung, die eine erhebliche Effektivitätssteigerung gegenüber dem bisher üblichen Stampfprinzip hervorbrachte.

Eine weitere Entwicklung, die der Papierindustrie fast 200 Jahre später einen umweltschädigenden Ruf einbringen sollte, datiert aus dem Jahr 1785: Der französische Chemiker Berthollet erfand die erste Bleiche für Papierfasern, die aus Chlorgas, konzentrierter Schwefelsäure und Braunstein bestand. Sein Verdienst war es, dass die Flugblätter der französischen Revolution auf relativ weißem Papier gedruckt werden konnten. Seit Ende der 1980er Jahre wird in Deutschland keine Elementarchlorbleiche mehr vorgenommen. Die Bleiche mit Chlordioxid beim ECF-Zellstoff und mit Sauerstoff und Sauerstoffverbindungen beim TCF-Zellstoff hat sich seitdem vor allem in Europa durchgesetzt.

Nicolas Louis Robert meldete 1799 das erste Patent für eine moderne, nach heutigem Prinzip arbeitende Papiermaschine an, die drei bis vier Schöpfbütten ersetzte. Mit der Industrialisierung erfolgte neben einer Effektivitätssteigerung auch eine Produktentwicklung, die heutige Umweltstandards überhaupt erst möglich gemacht hat. Dr. Justus Claproth brachte 1774 sein erstes Buch über die Praxis des Altpapierrecyclings heraus. Auf diese Weise war bereits 1925 mit Hilfe der Primärfaserstoffe Holz und Stroh eine Altpapiereinsatzquote von bis zu 10 % erreichbar. Heute liegt die Altpapiereinsatzquote in Deutschland bei rund 70 %. 

In den USA wurde 1871 erstmals von Toilettenpapier in Rollenform berichtet. 1906 gab es die ersten Milchtüten.

Heute zählen wir über 3000 verschiedene Papiersorten. Diese werden zu den verschiedensten Produkten weiterverarbeitet, zum Beispiel zum Kaffee- oder Industriefilter, zum Teebeutel, zum Tetra-Pack, zur Brötchentüte oder auch zum Zementsack. Papier finden wir als Kupplungslamellen in unserem Auto wieder. Papier  finden wir auch in unseren Möbeln, im Laminatboden und den Lautsprechermembranen unserer Hifi-Anlage oder unseres TVs und als Tapete an den Wänden unserer Wohnung. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO (2010) wird der weltweite Papierbedarf jährlich um drei Prozent steigen.

Eine tabellarische Übersicht zur Geschichte des Papiers finden Sie auch auf der Homepage des VDP.